Shintō

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Shintō (神道, „Weg der Kami“) ist die einheimische religiöse Tradition Japans. Der Begriff setzt sich aus shin/kami (神, „Gottheit, heilige Kraft“) und dō (道, „Weg“) zusammen. Für die japanischen Kampfkünste ist Shintō vor allem als kultureller Hintergrund relevant; für das okinawanische Karate gilt das nur eingeschränkt.

Kami und Schreine

Kami sind zahlenmäßig unbegrenzt und können als Naturerscheinungen, Orte, Ahnen, Menschen oder Dinge verehrt werden; Shintō wird deshalb oft als polytheistisch und animistisch beschrieben. Verehrt wird an Schreinen (jinja, 神社). Der Ise-Schrein, an dem die Sonnengöttin Amaterasu verehrt wird, steht an der Spitze der Schreinhierarchie. Zentral sind Reinheit und rituelle Reinigung (u. a. harai, 祓, und misogi, 禊).

Texte und Mythen

Der klassische Shintō kennt keinen heiligen Kanon und wurde weitgehend mündlich überliefert. Die beiden ältesten Schriften, Kojiki (古事記, 712) und Nihon Shoki (日本書紀, 720), enthalten Mythen und Herrscherchroniken. Die darin überlieferten Erzählungen – etwa vom Götterpaar Izanagi und Izanami oder von Amaterasu – sind Mythen und keine historischen Berichte.

Geschichte und Begriff

Das Wort „Shintō“ taucht schon im Nihon Shoki auf, meint dort aber eher Glaubensvorstellungen oder die Macht eines Kami als eine eigene Religion. Zum Namen einer einheimischen Tradition wurde es vor allem durch die Gelehrten der Kokugaku (Edo-Zeit). Jahrhundertelang war Shintō eng mit Buddhismus und Konfuzianismus verflochten. Erst mit der Meiji-Restauration (ab 1868) wurde er staatlich als eigenständige „Urreligion“ gedeutet; im Staats-Shintō stieg der Tennō zur zentralen, zeitweise göttlich verehrten Figur auf, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die genaue Definition von Shintō ist in der Forschung weiterhin umstritten.

Shintō und Budō

Seit den 1920er-Jahren ist es in vielen japanischen Budō-Dōjō üblich, an der Stirnseite (Shomen) einen Kamidana (Hausaltar) aufzustellen; der Ehrenplatz heißt Kamiza („Platz der Ehre“). Die Rituale der Reinigung des Dōjō und der Ehrerbietung gegenüber dem Dōjō stehen in dieser kulturellen Nachbarschaft, lassen sich aber einzelnen Traditionen (Shintō, Buddhismus, Konfuzianismus) oft nicht eindeutig zuordnen.

Okinawa hat eine eigene Religion, den Ryūkyū-Glauben (琉球神道, Ryūkyū Shintō), der von Ahnenverehrung, Naturheiligtümern (utaki) und der Rolle von Priesterinnen geprägt ist und im Lauf der Zeit von japanischem Shintō, Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus beeinflusst wurde. Das okinawanische Karate entstand im Königreich Ryūkyū, nicht im Umfeld des japanischen Staats-Shintō; die spätere Verbreitung des Karate auf dem Festland fiel dagegen in die Zeit des japanischen Nationalismus (siehe Geschichte des Karate).

Bezug zum Training

  • Das Ablegen der Schuhe, das Reinigen des Dōjō (sōji, 掃除) und der Gruß (Rei) drücken Respekt vor dem Ort und den Mitübenden aus (siehe Beginn und Ende der Stunde).
  • Ob im Dōjō ein Kamiza oder Kamidana steht, hängt vom jeweiligen Dōjō und seiner Tradition ab. Im Ōkami Dō ist der Kamiza nach Osten ausgerichtet.
  • Shintō ist keine Bedingung für Karate; die Teilnahme an Etikette und Ritualen ist als Ausdruck von Respekt zu verstehen, nicht als Glaubensbekenntnis.

Quellen

  • Helen Hardacre: Shinto. A History. Oxford University Press, Oxford 2017, ISBN 978-0-19-062171-1.
  • Kuroda Toshio: Shinto in the History of Japanese Religion. Journal of Japanese Studies 7 (1), 1981.
  • Kokugakuin University: Perspectives toward Understanding the Concept of Kami
  • Jinichi Tokeshi: Kendo. Elements, Rules, and Philosophy. University of Hawaii Press, Honolulu 2003, S. 73–74.
  • Dave Lowry: In the Dojo. A Guide to the Rituals and Etiquette of the Japanese Martial Arts. Weatherhill, Boston/London 2006, S. 26.
  • weiterführend: Wikipedia, Artikel „Dojo“ (Reinigung, Shomen)
  • George H. Kerr: Okinawa. The History of an Island People. Tuttle, Boston 2000, S. 31–32, 110, ISBN 978-0-8048-2087-5.
  • Edward E. Bollinger: The Unity of Government and Religion in the Ryukyu Islands to 1500 A.D. Contemporary Religions in Japan 10, 1969.
  • Masaharu Matayoshi, Joyce Trafton: Ancestors Worship. Okinawa’s Indigenous Belief System. Toronto 2000, ISBN 978-0-9701798-0-7.
  • Inoue Nobutaka (Hg.): Shinto – A Short History. RoutledgeCurzon, London 2003.

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