Dao

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Dao (道, chinesisch dào, japanisch dō) bedeutet „Weg“. Derselbe Schriftzeichen steht in Karate-dō, Budō und Dōjō. Der Daoismus (道家 dàojiā, „Schule des Weges“) ist eine chinesische Philosophie, die vor dem 4. Jahrhundert v. Chr. belegt ist und über die chinesische Kultur auch die Kampfkünste Ostasiens beeinflusst hat.

Laozi und das Daodejing

Laozi (老子, „Alter Meister“) gilt als Begründer des Daoismus. Seine Historizität ist ungeklärt: Die erste biografische Quelle, die Aufzeichnungen des Chronisten Sima Qian (1. Jh. v. Chr.), räumt selbst widersprüchliche Überlieferungen ein. Die Tradition verortet Laozi im 6. Jahrhundert v. Chr.

Legende: Laozi soll, des Hofes überdrüssig, nach Westen gezogen sein und am Grenzpass auf Bitten des Wächters seine Lehre aufgeschrieben haben. Diese Erzählung ist nicht historisch gesichert.

Das ihm zugeschriebene Daodejing (道德經, „Klassiker vom Weg und seiner Wirkkraft“, 81 Kapitel) ist das Hauptwerk des Daoismus. Die ältesten ausgegrabenen Handschriften (Guodian, um 300 v. Chr.) belegen, dass der Text im 4. Jahrhundert v. Chr. in Teilen bereits bestand; Autorschaft und Entstehung sind umstritten.

Zentrale Begriffe

  • Dao (道): der „Weg“, das unbenennbare Ursprungsprinzip, aus dem alles hervorgeht und dem die Dinge folgen.
  • De (德): die „Wirkkraft“ oder Tugend, die ein Mensch durch Übereinstimmung mit dem Dao gewinnt.
  • Wu wei (無為): wörtlich „Nicht-Handeln“, in der Auslegung „müheloses“ oder „unforciertes“ Handeln in Einklang mit den Umständen, nicht Untätigkeit.
  • Yin und Yang (陰陽): zwei aufeinander bezogene, einander ergänzende Kräfte; ursprünglich die Schatten- und Sonnenseite eines Berges. Sie bekämpfen sich nicht, sondern bedingen einander.

Im Daodejing erscheint besonders das Wasser als Vorbild: Es ist weich und nachgiebig und überwindet doch das Harte (Kap. 78); Nach Kapitel 76 gehört das Harte und Starke zum Tod, das Weiche und Schwache zum Leben. Kapitel 31 nennt Waffen „unheilvolle Werkzeuge“, die nur im Notfall zu benutzen seien. Dieser Gedanke fand in Japan Eingang in Artikel 1 der Buke Shohatto (1615), ein zentrales Gesetzeswerk der Tokugawa-Zeit.

Verbindung zu Gō und Jū

Die Namensgebung des Gōjū-Ryū beruht auf einer Zeile des Bubishi, die aus einem Text chinesischen Ursprungs stammt: Hart (Gō, 剛) und weich (Jū, 柔) gehören zusammen wie Ein- und Ausatmen. Dieser Gedanke steht in der Nähe des daoistischen Yin-Yang-Denkens: Härte und Weichheit sind keine Gegner, sondern wechselseitig bedingte Pole. Im Meibukan wird diese Dualität im Zeichen 明 (Sonne 日 und Mond 月) dargestellt. Eine unmittelbare, historisch belegte Linie vom Daodejing zum Karate lässt sich allerdings nicht ziehen; das Verhältnis beschreibt eine gemeinsame Denkweise der chinesischen Kosmologie, kein direktes Lehrverhältnis.

Bezug zum Training

  • Gō und Jū: Sanchin (hart, gespannt) und Tenshō (weich, fließend) üben beide Pole an derselben Atmung (siehe Heishu-Kata).
  • Wu wei: Techniken gelingen, wenn Anspannung nicht erzwungen wird; Entspannung, Atmung und Timing haben Vorrang vor Kraft.
  • Wasser als Bild: Nachgeben, Ausweichen und Umlenken (Kake-Te, Kata-Bunkai) statt reiner Konfrontation.

Quellen


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