Geschichte des Karate

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Entstehung des Tōde („chinesische Hand“)

  • Okinawa war von etwa 1400 bis 1879 ein eigenständiges Königreich namens Ryūkyū, mit vielen Einflüssen der chinesischen Kultur (besonders durch die Lage der Inseln). Ab 1372 war Ryūkyū China tributpflichtig, ab 1609 stand es zusätzlich unter der Kontrolle von Satsuma, einem japanischen Fürstentum. 1879 wurde es von Japan annektiert. Nach traditioneller Überlieferung kamen 1392 „36 Familien“ aus Fujian nach Kume (Naha) und brachten Wissen, Handwerk und vermutlich auch chinesische Kampfkünste mit; die Familie Yagi führt ihre Abstammung auf diese Siedlung zurück. (Hinweis: Die Zahl 36 gilt als symbolisch; die Ansiedlung erfolgte wohl über einen längeren Zeitraum.)
  • Ein erstes Waffenverbot wird König Shō Shin um 1507 zugeschrieben, ein zweites folgte 1609 durch Satsuma. Das führte zur Entstehung von Kobudō und Tōde. Nach Darstellung der IMGKA untersagte Satsuma auch das Kampfkunsttraining; geübt wurde heimlich, oft nachts im Hof des Lehrers. Um 1900 wurde Karate auf Betreiben von Itosu Ankō als Leibesübung in die Schulen Okinawas eingeführt – ab hier wurde es offen gelehrt.
  • Schwerpunkte der Entwicklung waren die drei Hauptstädte Ryūkyūs: Naha, Tomari und Shuri. Stilunterschiede entstanden durch die unterschiedlichen Einflüsse, die die jeweiligen Meister aus verschiedenen chinesischen Stilen aufnahmen.
  • Entwicklung zum Karate 1936: Japanischer Nationalismus erzwang eine neue Namensgebung und die Abkehr von den chinesischen Wurzeln. Eine Unterteilung in Stile wurde unter den Praktizierenden selbst nicht vollzogen. Erst durch die Etablierung in großen Dōjōs und die Ausrichtung auf den Massenbetrieb traten die Stilunterschiede immer stärker hervor. (Hinweis: Auf der Versammlung in Naha 1936 wurde die Schreibung 空手 empfohlen, nicht erzwungen; Funakoshi verwendete sie bereits ab 1929.)

Vom Tōde zum modernen Karate

Karate, wörtlich „leere Hand“, entwickelte sich auf der heute japanischen Insel Okinawa etwa ab dem 14. Jahrhundert als eine Form der waffenlosen Selbstverteidigung. Es wurde stark von chinesischen Kampfkünsten beeinflusst, die durch Händler und Diplomaten nach Okinawa gelangten, insbesondere vom Fujian-Kranich-Stil (White Crane). Unter der Herrschaft des Ryukyu-Königreichs war der Besitz von Waffen verboten, was die Entwicklung von Te (Hand) oder Tōde förderte. Im 19. Jahrhundert formten Meister wie Sokon Matsumura und Kanryo Higaonna die Grundlagen moderner Stile. Nach der Annexion Okinawas durch Japan 1879 wurde Karate in den 1920er Jahren von Gichin Funakoshi auf das japanische Festland gebracht und als „Karate-dō“ (Weg der leeren Hand) popularisiert. Es breitete sich weltweit aus, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg durch US-Soldaten. Heute gibt es Stile wie Shotokan, Wado-ryu, Shito-ryu und Gōjū-Ryū, die Kata (Formen), Kumite (Sparring) und Kihon (Grundtechniken) betonen. Karate war bei den Olympischen Spielen in Tokio (2021) erstmals olympisch und steht für physische Fitness, mentale Stärke und ethische Werte wie Dōjō-Kun (Schulregeln).

Wie aus der Kampfkunst Okinawas das moderne Wettkampfkarate wurde, beleuchtet auch die Seite Karate: Sport oder Kampfkunst?


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