Bibliothek › 6. Kata › Kobudō
Kobudō (古武道, „alter Kriegsweg“) bezeichnet im okinawischen Zusammenhang den Umgang mit traditionellen Waffen, auch Ryūkyū Kobudō oder Kobujutsu genannt. Viele dieser Waffen gehen auf Werkzeuge aus Landwirtschaft und Fischerei zurück oder wurden über die Verbindungen nach China und Südostasien bekannt. Die Waffenverbote unter König Shō Shin (um 1507 zugeschrieben) und nach der Eroberung durch Satsuma (1609) werden häufig als Grund für die Entwicklung von Kobudō und Tōde genannt (siehe Geschichte des Karate); diese Erklärung ist in der Forschung umstritten.
Kobudō im Meibukan
Meitoku Yagi (八木明徳, 1912–2003), der Begründer des Meibukan, ergänzte die Schule um ein Waffentraining. Zwischen 1976 und 1991 schuf er neben den Meibuken-Kata auch Kobudō-Kata mit Sai und Bō, die auf den Kata Geki Sai Ichi, Geki Sai Ni, Saifa und Shisochin aufbauen (siehe Meisterlinie). Die Bewegungen der leeren Hand werden damit auf die Waffe übertragen. Meitatsu Yagi und Akihito Yagi sind zudem in der Okinawa Karate Kobudo Association tätig.
Übersicht der Waffen
| Waffe | Schreibung | Beschreibung | Herkunft / Hinweis |
|---|---|---|---|
| Sai | 釵 | Dreizackartige Metallgabel, meist paarweise geführt; zum Blocken, Fangen, Stoßen und Schlagen. | Im Meibukan mit eigenen Kata belegt. |
| Tonfa | トンファ (auch 旋棍) | Holzstock mit seitlichem Quergriff, paarweise geführt; Abwehr entlang des Unterarms, Schläge und Stöße. | Herkunft nicht gesichert; häufig als Griff einer Handmühle gedeutet. |
| Bō | 棒 | Langstock, meist Rokushakubō (六尺棒, etwa 1,80 m). | Im Meibukan mit eigenen Kata belegt. |
| Hanbō | 半棒 | „Halber Stock“, etwa 90 cm lang. | Eher aus japanischen Schulen (Jūjutsu, Ninjutsu) bekannt als aus dem okinawischen Kobudō. |
| Kali-Stöcke | – | Kurze Rattanstöcke, einzeln oder paarweise. | Philippinischen Ursprungs (Kali, Arnis, Eskrima), kein okinawisches Kobudō. |
| Nunchaku | ヌンチャク (auch 双節棍) | Zwei kurze Hölzer, durch Schnur oder Kette verbunden. | Herkunft umstritten (Dreschflegel, Pferdegebiss oder chinesische Vorbilder). |
| Eku (Ēku, Eiku) | 櫂 | Ruder der okinawischen Fischer, schwer und mit einer Kante am Blatt. | Die Schreibung 櫂 (kai, „Ruder“) ist üblich. |
Bezug zum Training
- Die Waffe verlängert die Bewegung der leeren Hand: Stand, Hüfte und Körperspannung bleiben dieselben.
- Geübt wird zunächst langsam und kontrolliert, später mit Partner und passender Schutzausrüstung.
- Zur Wechselwirkung von Waffe und Körper siehe Hebel und Drehmoment.
Quellen
- IMGKA – International Meibukan Goju Ryu Karate-do Association (Biografien Meitoku, Meitatsu und Akihito Yagi)
- Donn F. Draeger, Robert W. Smith: Comprehensive Asian Fighting Arts. Kodansha International, Tokio 1969, ISBN 978-0-87011-436-6.
- weiterführend: Wikipedia, Artikel „Okinawan kobudō“ (einzelne Waffen)
- Mark V. Wiley: Filipino Fighting Arts. Theory and Practice. Tuttle, 2000, S. 1–15, ISBN 0-86568-180-5.
- Ned R. Nepangue, Celestino C. Macachor: Cebuano Eskrima. Beyond the Myth. Xlibris 2007, ISBN 978-1-4257-4621-6.