Bibliothek › 11. Physik im Karate › Kraftwirkung und Druck
Ein Finger in die Rippen tut weh. Eine flache Hand mit derselben Kraft – kaum. Der Unterschied heißt Druck: Kraft geteilt durch Fläche, p = F / A. Einheit ist das Pascal (1 Pa = 1 N/m²); 100 000 Pa entsprechen 1 bar.
Kleine Fläche, hoher Druck
Halbe Fläche, doppelter Druck. So einfach. Darum werden im Karate unterschiedliche Technikflächen (Körperteile als „Waffen“) gezielt eingesetzt: Fauststoß mit den beiden vorderen Knöcheln (Seiken), Fingerspitzen (Nukite), Handkante (Shutō), Ellbogen (Hiji) oder Handballen (Teishō). Übersicht und Grafik: Körperteile.
| Technikfläche | Kontaktfläche (Beispiel) | Druck bei 1000 N |
|---|---|---|
| Handballen (Teishō) | ca. 25 cm² | ca. 0,4 MPa (4 bar) |
| Faust, zwei Knöchel (Seiken) | ca. 5 cm² | ca. 2 MPa (20 bar) |
| Mittelfingerknöchel (Nakadaka-Ken) | ca. 1 cm² | ca. 10 MPa (100 bar) |
Folgen für das Training
- Kleine Flächen wirken punktuell und dringen tief ein, verlangen aber eine abgehärtete, stabil ausgerichtete Technikfläche (Hojo Undō, Makiwara).
- Große Flächen wie der Handballen verteilen die Kraft, schonen die eigene Hand und eignen sich zum Wegstoßen und für Ziele, an denen eine Faust leicht verletzt wird (z. B. Kopf).
- Auch in der Abwehr spielt die Fläche eine Rolle: Ein Block mit der Unterarm-Außenseite verteilt die Kraft anders als ein Block mit der Handkante.
Alle Rechenwerte: vereinfachte Beispiele, keine Messwerte. Der Körper ist kein starrer Block – reale Werte hängen stark von Technik, Ziel und Messverfahren ab.
Quellen
- Paul A. Tipler, Gene Mosca: Physik. Springer, Berlin/Heidelberg, ISBN 978-3-642-54165-0.
- Druck. In: Lexikon der Physik. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.